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Texel Schafzucht in der Schweiz

Erst seit 2007 sind Texelschafe eine anerkannte Rasse in der Schweiz und werden im Herdebuch geführt. Zurzeit sind 700 Herdebuchtiere registriert, die total 0.9% des Schafbestandes in der Schweiz ausmachen.
Was fasziniert an dieser Rasse und wo liegen ihre unbestreitbaren Vorteile? Warum braucht es in der Schweiz diese zusätzliche Rasse?


Während fünfundzwanzig Jahren züchtete ich Herdbuchschafe, konnte mich aber nicht weiterentwickeln, was mich zunehmend frustrierte. Zudem hatte ich das Gefühl, dass es die Institutionen in der Schweiz verpasst haben, sich dem Markt zu stellen. Das Interesse, Schafe zu züchten, die sowohl wirtschaftlich als auch konkurrenzfähig  und Konsumentengerecht sind, fehlt weitgehend. Unsere Eigenproduktion ist zu 85% nicht Marktkonform, wir produzieren also Fleisch, welches der Schweizer nicht bereit ist zu konsumieren; andererseits importieren wir 60% unseres Lammfleischkonsums. Das bedeutet, dass unsere Schafhaltung zur reinen Landschaftspflege verkommt, wofür ich mich nicht begeistern kann und will. Es gibt für uns in der Schweizer Schafzucht nur das exteriöre Punktesystem auf das wir uns in der Beurteilung eines Tieres stützen. Doch solche Zuchtmethoden haben mit der Weiterentwicklung einer wirtschaftlichen Tierproduktion nichts zu tun. Um wirklich einen Fortschritt zu erzielen, braucht es sowohl das gute Züchterauge als auch moderne Methoden zur Erfassung von genetischem Erbgut.

Ich suchte also nach einem Schaf, das weiter entwickelt wurde, mit dem man Fleisch produzieren kann, ohne dass man Tag für Tag Kraftfutter zur Verfügung stellen muss. Ein Schaf das so weiter gezüchtet wurde, dass es sich mit Gras und nur mit Weidehaltung zu einem Schlachtlamm entwickeln kann, wie es den Anforderungen des Schweizer Konsumenten entspricht. Ich wollte gleiche Fleischqualität wie sie jetzt importiert wird aber dem Konsumenten das gute Gefühl geben, Schweizer Qualitätsfleisch zu essen, das ökologisch und ökonomisch sinnvoll produziert wurde.
2006 importierte ich die ersten Texel, vorerst aus Deutschland aber auch aus Frankreich. Ich musste feststellen, dass sowohl die deutschen als auch die französischen Texel nicht das gewünschte Muskelfleisch aufwiesen und auch nicht die gewünschten Tageszunahmen hatten, die ich von einem Texel erwarte.

Durch Zufall importierte ich 2009 den ersten englischen Texel Widder in die Schweiz und war sofort begeistert von der englischen Genetik. In den folgenden Jahren folgten weitere Importe sowohl von männlichen als auch von weiblichen Tieren, von denen ich mehr als begeistert bin.  Heute bin ich an einem Punkt angelangt, wo ich sagen kann: Jetzt geht’s voran, jetzt kann ich etwas bewegen und mein Ziel erreichen.
Als erster Schweizer setzte ich bei meiner Herde 2010 einen englischen Widder ein, sämtliche Lämmer von 2011 sind von einem englischen Vater. Solche tollen Lämmer hatte ich in meiner neunundzwanzig jährigen Schafzucht noch nie, einfach fantastisch wie die sich entwickelten! Die ausgeprägten Muskelpartien und die Ausgeglichenheit der Tiere sind auffallend und hervorstechend. Alle Lämmer waren nach vier Monaten schlachtreif und das bei reiner Weidehaltung, ohne Kraftfutter. So soll Schafzucht sein und so macht es auch wieder Freude!
Aufgrund ihres aussergewöhnlichen Potentials hinsichtlich Frohwüchsigkeit, Robustheit und Schlachtkörper sind Texel die wichtigste Zuchtrasse zur Schlachtlammproduktion geworden. Um diese Kreuzungszuchten zu ermöglichen muss aber auch der Reinzucht ein grosses Gewicht beigemessen werden und es gilt, die gute Qualität zu erhalten.
Texelschafe sind umgänglich, fruchtbar und haben viel Milch. Sie sind winterfest und haben sich hervorragend an unser Klima angepasst.

England ist Europas führender Schafproduzent und hat auf dem Gebiet der Entwicklung, der Gesundheitskontrolle und Reproduktionstechnologie eine Vorreiterrolle übernommen. Englische Genetik ist weltberühmt für ihre Qualität und Eignung der Tiere zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit in der Tierproduktion. Um eine gesunde Produktion in kürzester Zeit und mit niedrigeren Kosten zu erreichen, muss das genetische Potenzial jedes einzelnen Tieres in Bezug auf Wachstum, Schlachtkörper- und Wollqualität sowie Ueberlebensrate des Nachwuchses optimiert werden.
Ich bin in der glücklichen Lage dank guten Beziehungen zu englischen Texelzüchtern sowie zum englischen Texel Verband, Zuchttiere aus England zu importieren, die meinen Ansprüchen, Verhältnissen und meiner Zuchtrichtung gerecht werden. Mein nächstes Ziel ist es, mit englischer Hilfe einen Maedi Visna freien Betrieb zu haben. Diesen Status hat in der Schweiz ausser Milchschafzüchtern kein Betrieb.

England ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür wie  eine einzigartige Wechselwirkung zwischen den unterschiedlichen Rassen und der zur Verfügung stehenden Landfläche funktioniert. Robuste Bergschafe, die für die ökologische Bilanz des Hochlandes sorgen, werden mit produktiven Texel gekreuzt um F1-Hybriden für die Lammproduktion zu erhalten. Diese F1-Hybriden werden abschliessend mit Zuchttieren gekreuzt, die für ein schnelles Wachstum der Lämmer sorgen. Dieses System wird in England seit Generationen gepflegt und hat sich bewährt. Herr Henry Lewis, Präsident des British Lieverstock Genetics Consortium Ltd, sagte mir: „Ihr müsst in euren Ländern die Schafzucht nicht neu erfinden, nehmt unsere Zuchtprogramme und ihr werdet erfolgreich sein.“  Diese Aussage trifft den Nagel auf den Kopf und hat mich nachhaltig beeindruckt.
Durch meine englischen Kontakte konnte ich meine Schafzucht so weiterentwickeln, dass ich heute in der Lage bin, hochwertige Zuchtschafe und Kreuzungs-Widder zu züchten und zugleich Produzent von erstklassigem Lammfleisch zu sein. Meine Schafzucht hat in der Schweiz einiges bewegt und einige Schafzüchterkollegen zum Umdenken gebracht. Es gibt mir eine Bestätigung und auch eine Befriedigung als kleiner Schweizer Schafzüchter so etwas erreicht zu haben und ich hoffe, dass zukünftige Schafzüchter angeregt werden, den Glauben an die gute Sache nicht zu verlieren und auch in Zukunft mit Freude bei der Schafzucht dabei sind.

Am 5. November 2011 findet in Huttwil die fünfte Texel Ausstellung statt.
Es ist die grösste Texel Ausstellung in der Schweiz und der umliegenden Länder. Rund 200 weibliche und männliche Tiere verschiedener Züchter aus der ganzen Schweiz werden präsentiert, von Experten punktiert und bewertet.
Zum ersten Mal kommt ein englischer Schafzuchtverband in die Schweiz um sich vorzustellen. Die Texel Sheep Society wird mit einem Informationsstand, englischen Texelschafen, Informationsmaterial, und einem Texel  Souvenir Shop vertreten sein. Für persönliche Erklärungen und Fragen von Interessenten wird eine Uebersetzerin anwesend sein.
An einer Auktion werden männliche und weibliche Tiere aus englischer aber auch aus schweizer Zucht in verschiedenen Altersgruppen zum Verkauf angeboten. Herr Volker Krenn, Zuchtleiter vom Landesverband Schafzucht u. Haltung Oesterreich, wird eine Demonstration der Messung von Muskelfleisch- und Fettdichte am lebenden Tier vorführen. Ein modernes Hilfsmittel zur Bestimmung des Zuchtwertes und  etwas, das die Schafzucht in der Schweiz revolutionieren dürfte.

Reservieren Sie sich schon heute den 5. November 2011 in Ihrer Agenda und kommen Sie nach Huttwil!

www.texelschafe.ch Heinz Plüss



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Heinz Plüss - 062 794 28 58
E-Mail: heinz.pluess@texelschafe.ch


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